Mietbetrug erkennen
Wohnungsbetrug funktioniert nicht, weil die Opfer leichtgläubig sind. Er funktioniert, weil er genau dann zuschlägt, wenn jemand seit Wochen Absagen bekommt, das Semester in zehn Tagen anfängt und endlich etwas Bezahlbares auftaucht. Die Masche ist auf Druck gebaut — und deshalb hilft es, sie einmal in Ruhe gelesen zu haben, bevor du unter Druck stehst.
Die eine Regel
Ohne Ausnahme
Überweise kein Geld, bevor du oder jemand, dem du vertraust, in der Wohnung war und du einen unterschriebenen Mietvertrag hast. Keine Kaution, keine „Reservierungsgebühr“, keine „Bearbeitungsgebühr“, keine Anzahlung für den Schlüsselversand.
Es gibt keinen seriösen Grund, von dieser Regel abzuweichen. Jede Begründung, die dir dafür angeboten wird, ist Teil der Masche.
Alles Weitere in diesem Artikel hilft dir, früher zu erkennen, dass du gerade Zeit verlierst. Aber wenn du dir nur einen Satz merkst, dann diesen.
Die gängigen Maschen
- Der Vermieter im AuslandEr ist beruflich verzogen, kann die Wohnung nicht zeigen und schickt den Schlüssel per Post — sobald die Kaution da ist. Die Wohnung existiert, die Fotos sind aus einem echten, alten Inserat geklaut. Der Absender nicht.
- Der Treuhand-TrickDas Geld soll angeblich sicher bei einem Anbieter hinterlegt werden, der es erst nach der Besichtigung freigibt. Der „Treuhänder“ ist erfunden, die Website eine Kopie. Seriöse Portale wickeln keine Kautionen ab.
- Die BesichtigungsgebührFür den Termin sollst du vorab zahlen — wegen der vielen Anfragen. Eine Besichtigung kostet nichts. Nie.
- Der Ausweis-VorschussDu sollst dich per Foto von Ausweis und Kontoauszug „verifizieren“, bevor es weitergeht. Das Ziel sind deine Daten, nicht deine Miete.
- Die überzahlte KautionDu sollst mehr überweisen als vereinbart und bekommst den Rest zurück. Die Rücküberweisung kommt scheinbar an und wird später zurückgebucht — dein Geld ist weg.
Woran du es früh erkennst
Kein einzelnes Signal beweist etwas. Zwei oder mehr zusammen sind Grund, den Kontakt zu beenden.
- Zu günstig für die LageDas verlässlichste Signal überhaupt. Wenn eine Wohnung deutlich unter dem liegt, was vergleichbare Angebote im Bezirk kosten, ist der Grund fast nie ein großzügiger Vermieter.
- Sofortige Antwort, lange GeschichteAuf deine kurze Anfrage kommt binnen Minuten eine lange, erzählerische Mail über Lebensumstände und Vertrauen. Echte Vermieter schreiben knapp und fragen nach Unterlagen.
- Kein Telefonat möglichAlles läuft über Mail oder Chat, ein Anruf wird immer wieder umgangen. Bitte um ein kurzes Gespräch — die Reaktion darauf sagt dir genug.
- Holpriges Deutsch, gleiche VorlageFormulierungen, die wie übersetzt klingen. Such einen auffälligen Satz aus der Mail wörtlich im Netz — Betrugstexte tauchen oft mehrfach auf.
- Zeitdruck von der anderen Seite„Ich habe noch fünf Anfragen, wer zuerst überweist.“ Druck ist das Werkzeug, mit dem verhindert wird, dass du nachdenkst.
- Bilder ohne ZusammenhangPerfekt ausgeleuchtete Fotos ohne Blick aus dem Fenster, ohne Treppenhaus, ohne Straße. Eine Rückwärtssuche nach dem Bild zeigt oft das Originalinserat aus einer anderen Stadt.
Zwei Minuten, die sich lohnen
Gib die Adresse in einen Kartendienst ein und sieh dir die Straßenansicht an. Wenn das Haus dort anders aussieht als auf den Fotos oder die Adresse gar nicht existiert, hast du deine Antwort — und zwar bevor du irgendetwas geschrieben hast.
Warum es besonders Ortsfremde trifft
Die Maschen setzen alle an derselben Stelle an: Du kannst nicht vorbeikommen. Wer zum Semester in eine neue Stadt zieht, sitzt noch 400 Kilometer entfernt, hat keine Bekannten vor Ort und einen festen Termin, an dem er ein Dach über dem Kopf braucht. Genau dieses Profil suchen die Absender.
Der beste Schutz ist deshalb organisatorisch, nicht detektivisch: Sorg dafür, dass du jemanden hast, der hingehen kann — Freunde, Kommilitonen aus einer Fachschaftsgruppe, Verwandte. Mehr dazu unter Wohnungssuche aus einer anderen Stadt.
Wenn du schon gezahlt hast
Zuerst: Das ist keine Dummheit, sondern eine gut gebaute Masche, die jeden Tag funktioniert. Wichtig ist jetzt Tempo, denn die Chancen sinken mit jeder Stunde.
- Sofort die Bank anrufenBei einer frisch beauftragten Überweisung ist ein Rückruf manchmal noch möglich. Das ist die einzige wirklich zeitkritische Handlung.
- Anzeige erstattenBei der Polizei, online oder vor Ort. Nimm alles mit: Inserat, Chatverlauf, Mails, Kontodaten des Empfängers, Überweisungsbeleg.
- Das Portal informierenMelde das Inserat. Damit schützt du die nächsten Suchenden — dieselbe Anzeige läuft meist weiter, bis jemand sie meldet.
- Beratung holenVerbraucherzentralen beraten zu solchen Fällen. An vielen Hochschulen hilft zusätzlich die Rechtsberatung der Studierendenvertretung, oft kostenlos.
Dieser Artikel ist eine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei einem konkreten Schadensfall ist die Beratung durch eine Verbraucherzentrale oder eine Anwältin der richtige Weg.
Angebote, die nachvollziehbar sind
Betrugsanzeigen leben davon, dass du kein Gefühl für normale Preise hast. Auf unseren Bezirksseiten steht zu jedem Bezirk der Median je Quadratmeter und die Stichprobe, auf der er beruht — damit siehst du in zwei Sekunden, ob ein Angebot plausibel ist oder zu gut, um wahr zu sein.
Und jedes Inserat bei uns führt zum Original beim Portal, mit der Minute, in der es dort aufgetaucht ist. Wir vermitteln nichts, wickeln nichts ab und nehmen kein Geld entgegen.