Was die erste eigene Wohnung wirklich kostet
Die Zahl im Inserat ist nicht die Zahl, die du brauchst. Zwischen „650 € kalt“ und dem, was am Einzugstag von deinem Konto geht, liegen in aller Regel mehrere tausend Euro — und in den ersten Wochen kommen Posten dazu, an die beim ersten Umzug fast niemand denkt. Hier stehen sie alle, damit du rechnen kannst, bevor du zusagst.
Was auf einmal fällig wird
- KautionDer größte Brocken. Gesetzlich sind höchstens drei Nettokaltmieten zulässig — bei 650 € kalt also bis zu 1.950 €. Du bekommst sie nach dem Auszug zurück, aber du brauchst sie jetzt.
- Erste MonatsmieteMeist im Voraus fällig, oft schon vor dem Einzugstag. Fällt zeitlich mit der Kaution zusammen.
- MaklerprovisionSeit dem Bestellerprinzip zahlt sie, wer den Makler beauftragt hat — bei Mietwohnungen also fast immer der Vermieter. Wenn du zahlen sollst, frag genau nach, worauf sich das stützt.
- UmzugTransporter, Sprit, Verpflegung für Helfende — oder eine Spedition. Bei einem Umzug über größere Entfernung schnell ein dreistelliger bis vierstelliger Betrag.
- ErstausstattungBett, Schrank, Tisch, Lampen, Vorhänge, Küchenkram, Werkzeug. Der Posten, der am zuverlässigsten unterschätzt wird — auch gebraucht kommt einiges zusammen.
- KücheWenn keine drin ist, ist das ein eigener Kostenblock. Frag vor der Zusage, ob eine Einbauküche übernommen werden kann und was sie kosten soll.
Die Kaution darfst du strecken
Weniger bekannt, aber gesetzlich geregelt: Du darfst die Kaution in drei gleichen Monatsraten zahlen. Die erste ist zu Mietbeginn fällig, die anderen beiden mit den folgenden Mieten. Ein Vermieter darf das nicht ausschließen — auch wenn im Vertrag etwas anderes steht.
Was monatlich dazukommt
Zur Kaltmiete kommen die Nebenkosten — meist als Vorauszahlung, über die einmal im Jahr abgerechnet wird. Wichtig: Eine niedrige Vorauszahlung ist kein Schnäppchen, sondern eine Nachzahlung mit Verzögerung. Frag nach der letzten Abrechnung, bevor du unterschreibst.
- NebenkostenHeizung, Wasser, Müll, Hausreinigung, Grundsteuer und weitere umlagefähige Posten. Als Vorauszahlung in der Warmmiete enthalten, mit jährlicher Abrechnung.
- StromFast immer ein eigener Vertrag, den du selbst abschließt. Ohne eigene Anmeldung landest du automatisch beim örtlichen Grundversorger — meist der teuerste Tarif.
- InternetEigener Vertrag, übliche Laufzeit 24 Monate. Von der Bestellung bis zur Freischaltung vergehen regelmäßig mehrere Wochen.
- RundfunkbeitragGut 18 Euro im Monat — pro Wohnung, nicht pro Person. In einer WG zahlt ihr also einmal gemeinsam, nicht jeder für sich.
- HausratversicherungFreiwillig, aber der häufigste Schadensfall überhaupt ist der Umzugsschaden. Wenn, dann muss der Schutz ab dem Tag der Schlüsselübergabe stehen.
Für Studierende
Vom Rundfunkbeitrag kannst du dich befreien lassen, wenn du BAföG beziehst und nicht bei deinen Eltern wohnst — die Befreiung musst du aber selbst beantragen, sie kommt nicht automatisch.
Wohngeld und BAföG schließen sich in der Regel gegenseitig aus: Wer dem Grunde nach BAföG-berechtigt ist, bekommt normalerweise kein Wohngeld. Welche Leistung in deinem Fall greift, klärst du am besten beim Studierendenwerk — die Beratung dort ist kostenlos.
Was eine Frist hat
Zwei Dinge in den ersten Wochen sind keine Kostenfrage, sondern eine Terminfrage — und beim ersten eigenen Umzug weiß man schlicht nicht, dass es sie gibt.
- Anmeldung beim MeldeamtInnerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug. Du brauchst dafür die Wohnungsgeberbestätigung von deinem Vermieter — frag sie am Übergabetag direkt ab, sonst rennst du ihr hinterher. Wer die Frist verstreichen lässt, riskiert ein Bußgeld.
- UmmeldungenBank, Krankenkasse, Versicherungen, Uni, Arbeitgeber, Post-Nachsendeauftrag. Nichts davon ist dringend — bis genau das eine Schreiben an die alte Adresse geht.
- ÜbergabeprotokollAm Einzugstag, gemeinsam mit dem Vermieter. Es hält Schäden und Zählerstände fest und schützt dich später davor, für etwas zu haften, das schon da war.
Worauf du beim Protokoll achtest, steht ausführlicher unter Mietvertrag und Kaution.
Wie du es überschlägst
Eine Faustregel, mit der du planen kannst, ohne dich zu belügen: Rechne für den Einzug mit dem Vierfachen bis Sechsfachen der Kaltmiete, bevor Möbel dazukommen. Bei 650 € kalt sind das grob 2.600 € bis 3.900 € für Kaution, erste Miete und Umzug — und die Erstausstattung ist da noch nicht dabei.
Für die laufenden Kosten gilt: Die Warmmiete ist die Zahl, mit der du rechnest, plus etwa 60 bis 100 Euro monatlich für Strom, Internet und Rundfunkbeitrag. Wenn eine Wohnung nur bei der Kaltmiete passt, passt sie nicht.
Vor der Zusage klären
Drei Fragen, die dir später viel Ärger sparen und die du in der Besichtigung in einer Minute stellst: Wie hoch war die letzte Nebenkostenabrechnung? Ist eine Küche vorhanden oder muss sie übernommen werden? Und wie wird geheizt — also womit rechnest du im Winter?
Erst wissen, was geht — dann suchen
Wenn du deine Obergrenze kennst, wird die Suche einfacher, nicht schwerer: Du erkennst schneller, was passt, und bewirbst dich nicht auf Wohnungen, die im dritten Monat zum Problem werden.
Sag deinem Such-Agenten in einem Satz, was du suchst — inklusive dem, was die Miete höchstens kosten darf. Er schaut ab da für dich nach und schreibt dir, sobald etwas Passendes online geht.
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Die Verträge, die mit dem Einzug anstehen
Vier Posten aus der Liste oben, die du selbst abschließen musst — und bei denen sich der Vergleich vor dem Einzug lohnt.
Internet vor dem Einzug bestellen
Bis zum Anschluss vergehen regelmäßig zwei bis sechs Wochen. Wer erst nach der Schlüsselübergabe bestellt, sitzt den ersten Monat am Hotspot.
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Strom ummelden statt in die Grundversorgung rutschen
Ohne eigene Anmeldung landet die neue Wohnung automatisch beim örtlichen Grundversorger — fast immer der teuerste Tarif am Markt.
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Hausrat ab dem Einzugstag
Der Schutz muss am Tag der Schlüsselübergabe stehen, nicht danach — Umzugsschäden sind der häufigste Schadensfall überhaupt.
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Umzugsangebote einholen
Drei Angebote statt eines: der Preisunterschied zwischen Speditionen liegt für dieselbe Strecke regelmäßig im dreistelligen Bereich.
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