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Ratgeber 

Die komplette Bewerbermappe für die Wohnung: Unterlagen und Reihenfolge

Zuletzt geprüft am · Keine Rechtsberatung

In gefragten Lagen bekommt ein Inserat innerhalb weniger Stunden Dutzende Anfragen. Wer dann erst Gehaltsabrechnungen sucht und die Schufa beantragt, ist raus, bevor es losgeht. Die Bewerbermappe ist deshalb das Erste, was du fertig machst, noch vor der ersten Suche. Dieser Text ist Orientierung, keine Rechtsberatung: Bei einem konkreten Streit hilft dir ein Mieterverein oder eine Fachanwältin für Mietrecht.

Kurz gesagt

In die Bewerbermappe gehören ein kurzes Anschreiben, die ausgefüllte Selbstauskunft, Einkommensnachweise der letzten drei Monate, eine Schufa-Bonitätsauskunft (üblich: nicht älter als drei Monate), die Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, falls du eine bekommst, und je nach Situation Immatrikulationsbescheinigung, Arbeitsvertrag oder Bürgschaftserklärung. Die Ausweiskopie kommt erst dazu, wenn der Vertrag konkret ansteht. Alles zusammen als ein PDF unter 10 MB.

Was Vermieter sehen wollen

Eine Vermieterin will vor allem zwei Dinge wissen: Kannst du die Miete zuverlässig zahlen, und bist du jemand, mit dem es keinen Ärger gibt. Jede Unterlage in der Mappe beantwortet eine dieser beiden Fragen. Was nichts davon beantwortet, gehört nicht hinein.

  • AnschreibenEine halbe Seite: wer du bist, warum diese Wohnung, ab wann, wie viele Personen. Kein Lebenslauf, keine Lebensgeschichte. Wie das klingt, steht unter Das Bewerbungsanschreiben.
  • SelbstauskunftDas Formular, in dem du Beruf, Einkommen, einziehende Personen und Haustiere angibst. Viele Vermieter haben ein eigenes, sonst nimmst du ein neutrales. Nicht jede Frage darin ist zulässig, siehe Selbstauskunft: Was Vermieter fragen dürfen.
  • EinkommensnachweiseDie letzten drei Gehaltsabrechnungen. Bei Selbstständigen der letzte Steuerbescheid oder eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung. Kontonummer und Sozialversicherungsnummer darfst du schwärzen.
  • Schufa-BonitätsauskunftDas Zertifikat zur Weitergabe, nicht die Datenkopie. Üblich: nicht älter als drei Monate. Wie du sie bekommst und was der Unterschied ist, steht unter Schufa-Auskunft kostenlos beantragen.
  • MietschuldenfreiheitsbescheinigungDein bisheriger Vermieter bestätigt, dass du keine Mietrückstände hast. Einen Anspruch darauf hast du nicht: Der Bundesgerichtshof hat 2009 entschieden, dass der Vorvermieter sie nicht ausstellen muss (VIII ZR 238/08). Wenn er sich weigert, ersetzen geschwärzte Kontoauszüge mit den letzten Mietzahlungen sie meist gut.
  • Immatrikulationsbescheinigung oder ArbeitsvertragBelegt, warum du in die Stadt kommst und wie lange du voraussichtlich bleibst. Beim Arbeitsvertrag reichen Deckblatt, Laufzeit und Unterschriftenseite.
  • BürgschaftserklärungNur wenn dein eigenes Einkommen nicht reicht. Was hineingehört und was eine Bürgschaft für die Bürgen bedeutet, erklärt Bürgschaft und Bonität ohne festes Einkommen.
  • AusweiskopieGehört erst in die Mappe, wenn der Vertrag konkret ansteht. Bis dahin genügt es, den Ausweis bei der Besichtigung vorzuzeigen. Mehr dazu unten beim Stufenmodell.

Wenn du studierst oder gerade anfängst

Ohne drei Gehaltsabrechnungen wirkt die Liste oben erst einmal entmutigend. Sie ist es nicht. Vermieter wissen, dass Studierende und Berufseinsteiger anders belegen, dass die Miete kommt. Entscheidend ist, dass die Rechnung aufgeht und jemand sie belegt.

  • BAföG-BescheidZeigt ein regelmäßiges Einkommen mit Laufzeit. Die erste Seite mit Betrag und Bewilligungszeitraum reicht.
  • NebenjobDie letzten Abrechnungen, auch bei einem Minijob. Zusammen mit BAföG oder Unterhalt ergibt das oft mehr, als Vermieter erwarten.
  • Unterhaltserklärung der ElternEin formloses Schreiben, in dem deine Eltern bestätigen, dass sie dich monatlich mit einem festen Betrag unterstützen, plus ein Einkommensnachweis von ihnen. Das ist keine Bürgschaft, wirkt aber oft ähnlich beruhigend.
  • BürgschaftDie stärkere Form: Deine Eltern haften für die Miete, wenn du nicht zahlst. Nur anbieten, wenn ihr das vorher besprochen habt, denn die Erklärung bindet sie über Jahre.
  • Erste eigene WohnungDu hast keine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung und keine Mietzahlungen auf dem Konto. Verstecke das nicht, sondern schreib es in einem Satz in die Mappe.
Ein Satz für die erste eigene Wohnung
Ich miete zum ersten Mal selbst und kann deshalb keine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vorlegen. Stattdessen finden Sie in der Mappe meinen BAföG-Bescheid, die Abrechnungen meines Nebenjobs und eine Bürgschaftserklärung meiner Eltern.

Die Reihenfolge in der Mappe

Die Reihenfolge folgt dem Blick des Vermieters: erst, wer du bist, dann, ob du zahlen kannst, dann die Belege. Wer die Mappe in dieser Ordnung aufschlägt, findet in zehn Sekunden, was er sucht. Das ist bei dreißig Mappen auf dem Tisch ein echter Vorteil.

  1. 1

    Anschreiben

    Ganz oben, eine halbe Seite. Mit Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und dem Inserat, auf das du dich bewirbst.

  2. 2

    Selbstauskunft

    Vollständig ausgefüllt, leserlich, unterschrieben. Wenn der Vermieter ein eigenes Formular schickt, nimm seins.

  3. 3

    Einkommensnachweise

    Die letzten drei Monate, neuester Monat zuerst. Bei Studierenden BAföG-Bescheid, Nebenjob-Abrechnungen und Unterhaltserklärung in dieser Reihenfolge.

  4. 4

    Schufa-Bonitätsauskunft

    Das Zertifikat für Dritte, einseitig. Das ausführliche Blatt für dich bleibt zu Hause.

  5. 5

    Mietschuldenfreiheitsbescheinigung

    Oder der Satz, warum es keine gibt, und die Alternative dazu.

  6. 6

    Immatrikulationsbescheinigung oder Arbeitsvertrag

    Der Beleg für den Grund deines Umzugs und die voraussichtliche Dauer.

  7. 7

    Bürgschaftserklärung

    Falls vorhanden, mit Einkommensnachweis der Bürgen. Ganz ans Ende, weil sie nur zählt, wenn der Rest überzeugt.

  8. 8

    Ausweiskopie

    Erst nach dem Zusage-Signal, als eigene Datei, nicht in der Mappe, die du breit verschickst.

Wann du was rausgibst

Nicht jede Unterlage gehört in jede Phase. Die Datenschutzkonferenz der Aufsichtsbehörden hat dafür ein Stufenmodell beschrieben: Ein Vermieter darf nur die Daten verlangen, die er in der jeweiligen Phase wirklich braucht. Für dich ist das eine Entlastung, denn du musst deine Gehaltsabrechnung nicht an zwanzig Inserate schicken, von denen du achtzehn nie besichtigen wirst.

Welche Unterlagen in welcher Phase der Wohnungsbewerbung angemessen sind
PhaseWas du gibstWas noch nicht
Erste Anfrage auf das InseratName, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, ein paar Sätze zu dir, Zahl der Personen, WunschterminKeine Nachweise, keine Selbstauskunft, keine Kopien
BesichtigungDie Mappe zum Zeigen oder Dalassen: Selbstauskunft, Einkommensnachweise, Bonitätsauskunft. Ausweis vorzeigen, wenn gewünschtKeine Ausweiskopie, keine Kontoauszüge im Original
Zusage-SignalKopien der Nachweise, Bürgschaftserklärung, Ausweiskopie mit geschwärzten Angaben, die nicht gebraucht werdenNichts, was nicht im Vertrag steht: keine Kontovollmacht, keine Passwörter für Kontoeinsicht

Ausweiskopie nicht bei der ersten Anfrage

Eine Kopie deines Ausweises darf nur mit deiner Zustimmung angefertigt werden und muss als Kopie erkennbar sein (§ 20 PAuswG). Nach der Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz gehört sie erst in die Phase, in der der Vertrag konkret ansteht. Wer sie schon in der ersten E-Mail verlangt, hat entweder ein schlechtes Verfahren oder etwas anderes vor. Auf der Kopie darfst du Angaben schwärzen, die der Vermieter nicht braucht: Seriennummer, Zugangsnummer, Augenfarbe, Größe.

Wenn ein Vermieter vor der Besichtigung schon Nachweise verlangt, ist das ein Grund, nachzufragen, aber nicht zwingend ein Grund, die Wohnung abzuschreiben. Große Hausverwaltungen filtern so vor. Dann schickst du die Mappe ohne Ausweiskopie und ohne Kontoauszüge, und den Rest reichst du nach.

Die Mappe als ein PDF

Die Papiermappe nimmst du zur Besichtigung mit. Für alles andere brauchst du eine Datei, die du in zwei Minuten verschicken kannst. Eine, nicht acht Anhänge. Wer acht Fotos von Gehaltsabrechnungen bekommt, öffnet sie nicht.

  1. 1

    Scannen statt fotografieren

    Eine Scan-App auf dem Handy richtet die Seiten gerade und macht den Hintergrund weiß. Jede Seite hochkant, gut lesbar, ohne Finger im Bild.

  2. 2

    Schwärzen, bevor du zusammenfügst

    IBAN, Sozialversicherungsnummer, Steuer-ID und alles, was der Vermieter nicht braucht. Nicht nur mit einem halbtransparenten Stift, sondern wirklich abdecken und neu speichern.

  3. 3

    In der Reihenfolge oben zusammenfügen

    Anschreiben zuerst, Bürgschaft zuletzt. Viele Scan-Apps und alle gängigen PDF-Programme können Seiten zusammenführen und sortieren.

  4. 4

    Dateiname mit deinem Namen

    Etwa Bewerbung_Nachname_Vorname.pdf. Nicht scan_final_2.pdf. Der Vermieter hat dreißig Dateien im Ordner und sucht deine.

  5. 5

    Unter 10 MB halten

    Viele Postfächer lehnen größere Anhänge ab, ohne dass du davon erfährst. Beim Zusammenfügen die Auflösung auf ein lesbares Maß reduzieren.

  6. 6

    Zwei Versionen anlegen

    Eine ohne Ausweiskopie für den breiten Versand, eine vollständige für den Moment nach der Zusage. So musst du im entscheidenden Moment nichts mehr zusammensuchen.

Fertig, bevor das erste Inserat kommt

In gefragten Lagen entscheidet die erste Stunde nach der Veröffentlichung. Wer dann die Mappe nur noch anhängen muss, ist vor allen, die erst die Schufa beantragen. Leg die PDF also an, bevor du überhaupt zu suchen anfängst, und halte sie aktuell: neue Gehaltsabrechnung rein, alte raus, Bonitätsauskunft alle drei Monate erneuern, solange du suchst.

Die Mappe ist fertig. Jetzt fehlt nur das Inserat

Mit einer fertigen Mappe hast du das, was die meisten Mitbewerber nicht haben: Du kannst innerhalb von Minuten antworten. Damit sich das auszahlt, musst du von einem passenden Inserat erfahren, bevor die anderen es tun.

Dein Such-Agent beobachtet Kleinanzeigen, ImmoScout24, Immowelt, immobilien.de und WG-Gesucht und schreibt dir eine E-Mail, sobald ein Inserat online geht, das zu dir passt. Du hängst die Mappe an und bist unter den Ersten.

Such-Agent erstellen

Häufige Fragen

Welche Unterlagen braucht man für eine Wohnungsbewerbung?
Üblich sind eine ausgefüllte Selbstauskunft, Einkommensnachweise der letzten drei Monate, eine Schufa-Bonitätsauskunft, eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung des Vorvermieters und ein kurzes Anschreiben. Studierende ergänzen Immatrikulationsbescheinigung, BAföG-Bescheid oder eine Bürgschaftserklärung der Eltern. Die Ausweiskopie gibst du erst, wenn der Vertrag konkret ansteht.
Wie alt darf die Schufa-Auskunft für den Vermieter sein?
Eine feste gesetzliche Frist gibt es nicht. Üblich ist, dass Vermieter eine Bonitätsauskunft akzeptieren, die nicht älter als drei Monate ist. Wer länger sucht, holt sich rechtzeitig eine neue, bevor die alte in der Mappe auffällt.
Was mache ich, wenn ich keine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung habe?
Wer zum ersten Mal mietet, hat keine, und darauf besteht auch kein Anspruch gegen den Vorvermieter. Schreib das in einem Satz offen in die Mappe. Als Ersatz kannst du geschwärzte Kontoauszüge mit den letzten Mietzahlungen oder eine Bürgschaft anbieten.
Muss ich bei der ersten Anfrage schon alle Unterlagen schicken?
Nein. Bei der ersten Anfrage reichen Name, Kontakt und ein paar Sätze zu dir. Die Mappe zeigst du bei der Besichtigung oder schickst sie, wenn der Vermieter sie ausdrücklich anfordert. Ausweiskopie und andere Kopien gehören erst in die Phase, in der der Vertrag konkret wird.

Quellen und Gesetzestexte

Dazu passt

  • Schufa-Auskunft kostenlos beantragen

    Die kostenlose Datenkopie, die Bonitätsauskunft für Vermieter und der Unterschied zwischen beiden. Was Vermieter sehen dürfen und wie du falsche Einträge loswirst.

  • Selbstauskunft: Was Vermieter fragen dürfen

    Einkommen ja, Schwangerschaft nein. Welche Fragen zulässig sind, bei welchen du schweigen oder sogar falsch antworten darfst und wie du das Formular trotzdem überzeugend ausfüllst.

  • Das Bewerbungsanschreiben

    Auf ein Inserat kommen in gefragten Lagen Dutzende Anfragen. Wie ein Anschreiben aussieht, das gelesen wird, und wie dein Such-Agent dir den ersten Entwurf abnimmt.