Wohnungsportale im Vergleich: Wo du wirklich suchen solltest
Zuletzt geprüft am · Keine Rechtsberatung
Wenn du zum ersten Mal eine Wohnung suchst, ist die erste Frage meist: Wo eigentlich? Fünf Portale teilen sich in Deutschland den Markt für Mietwohnungen und WG-Zimmer, und jedes hat ein anderes Publikum. Wer das kennt, sucht nicht länger, sondern gezielter. Dieser Artikel ist Orientierung und keine Rechtsberatung. Bei einem Streit um eine Provision hilft dir ein Mieterverein oder eine Fachanwältin für Mietrecht.
Kurz gesagt
Die fünf Portale im Überblick
Die Portale unterscheiden sich weniger in der Technik als darin, wer dort inseriert. Ein privater Vermieter mit einer Zweizimmerwohnung nutzt andere Wege als eine Hausverwaltung mit zweihundert Einheiten. Und wer ein Zimmer in seiner WG neu besetzt, nutzt wieder einen anderen.
- KleinanzeigenFrüher eBay Kleinanzeigen. Inserieren ist kostenlos und dauert fünf Minuten, deshalb landen hier besonders viele private Vermieter und Nachmieter-Gesuche. Die Inserate sind oft knapp formuliert, dafür geht der Kontakt direkt und schnell. Die Kehrseite: Weil niemand die Inserate prüft, findest du hier auch die meisten Betrugsversuche.
- ImmoScout24Die größte Reichweite bei Hausverwaltungen, Wohnungsunternehmen und Maklern. Suchen und Anfragen sind kostenlos, dazu gibt es eine kostenpflichtige Zusatzmitgliedschaft für Suchende. Viele Inserate erlauben die Kontaktaufnahme nur über das Portal, deine Anfrage konkurriert also im selben Postfach mit allen anderen.
- ImmoweltÄhnliches Publikum wie ImmoScout24: Verwaltungen, Makler, Bauträger, dazu private Anbieter. Die Suche ist kostenlos. Viele Anbieter inserieren hier zusätzlich zu ImmoScout24, manche aber auch nur hier.
- immobilien.deEin Portal, das Inserate aus verschiedenen Quellen bündelt, darunter regionale Anbieter und Makler. Die Suche ist kostenlos. Nicht das erste Portal, das einem einfällt, und genau deshalb steht hier manchmal ein Inserat, auf das sich weniger Leute melden.
- WG-GesuchtDie Adresse für WG-Zimmer, Zwischenmieten und möblierte Zimmer auf Zeit. Die Grundfunktionen sind kostenlos. Der Erstkontakt läuft fast immer über eine Portalnachricht, und in gefragten Lagen entscheiden die ersten Stunden nach Veröffentlichung, ob du zum Kennenlernen eingeladen wirst.
Vergleichstabelle
Die Tabelle fasst zusammen, was du in der Praxis erwarten kannst. Sie beschreibt typische Muster, keine festen Regeln: Auch bei Kleinanzeigen inserieren Verwaltungen, auch bei ImmoScout24 gibt es Privatvermieter.
| Portal | Typische Anbieter | Kosten für Suchende | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Kleinanzeigen | Private Vermieter, Nachmieter-Gesuche, kleine Verwaltungen | Kostenlos | Direkter Kontakt, schnelle Antworten, viele Inserate ohne Makler | Keine Prüfung der Inserate, die meisten Betrugsversuche |
| ImmoScout24 | Hausverwaltungen, Wohnungsunternehmen, Makler | Suche kostenlos, kostenpflichtige Zusatzmitgliedschaft möglich | Größte Reichweite bei professionellen Anbietern, ausführliche Inserate | Sehr viele Mitbewerber pro Inserat, Kontakt oft nur über das Portal |
| Immowelt | Verwaltungen, Makler, private Anbieter | Suche kostenlos | Zweite große Plattform für professionelle Anbieter, teils exklusive Inserate | Überschneidet sich stark mit ImmoScout24 |
| immobilien.de | Regionale Anbieter, Makler, gebündelte Inserate | Suche kostenlos | Weniger bekannt, dadurch teils weniger Konkurrenz | Kleineres Angebot, nicht in jeder Region gleich stark |
| WG-Gesucht | WGs, Zwischenvermieter, Anbieter möblierter Zimmer | Grundfunktionen kostenlos | Praktisch alle WG-Zimmer und Zwischenmieten stehen hier | Sehr schnelle Reaktion nötig, Auswahl oft nach Sympathie statt Unterlagen |
Die eine Regel, die auf jedem Portal gilt
Überweise nie Geld, bevor du die Wohnung von innen gesehen und einen unterschriebenen Mietvertrag in der Hand hast. Keine Kaution, keine Reservierungsgebühr, keinen Schlüsselversand. Wie die gängigen Maschen ablaufen, steht unter Mietbetrug erkennen.
Warum du nie nur ein Portal beobachtest
Der häufigste Fehler bei der ersten Wohnungssuche ist nicht die falsche Bewerbung, sondern das falsche Suchfeld. Wer nur ImmoScout24 öffnet, sieht vor allem Verwaltungen und Makler. Wer nur Kleinanzeigen durchscrollt, verpasst die Verwaltungen. Und wer WG-Gesucht ignoriert, sieht die Zwischenmieten nicht, die für den Anfang in einer neuen Stadt oft der beste Einstieg sind.
Dazu kommt ein zweiter Punkt: Inserieren kostet professionelle Anbieter Geld, private Vermieter kostet es Zeit. Beide veröffentlichen ein Inserat deshalb oft nur auf einem einzigen Portal. Und private Vermieter nehmen häufig die ersten zehn oder zwanzig Anfragen, laden daraus zur Besichtigung ein und schalten das Inserat dann ab. Wer die Wohnung erst am Abend sieht, hat sie in vielen Fällen schon verpasst.
Praktisch heißt das: Du brauchst alle fünf Portale gleichzeitig, und du brauchst sie mehrmals am Tag. Von Hand ist das kaum durchzuhalten, erst recht nicht, wenn du aus einer anderen Stadt suchst und nebenbei Prüfungen oder einen neuen Job hast.
Schnell heißt vorbereitet
Schnell antworten kannst du nur, wenn Anschreiben und Unterlagen fertig sind, bevor das Inserat erscheint. Leg dir einen Text zurecht, den du in einer Minute anpassen kannst, und halte deine Bewerbermappe als PDF bereit. Wie ein Anschreiben aussieht, das gelesen wird, steht unter Das Bewerbungsanschreiben.
Maklerprovision bei Miete: wer zahlt
Auf ImmoScout24 und Immowelt stammen viele Inserate von Maklern. Das ist für dich als Mieterin oder Mieter kein Kostenrisiko, denn seit dem Bestellerprinzip gilt: Wer den Makler beauftragt, zahlt ihn. Bei Mietwohnungen ist das fast immer der Vermieter, der die Wohnung vermarkten lässt. Der Makler darf von dir für den Nachweis oder die Vermittlung einer Wohnung kein Geld verlangen, es sei denn, er hat die Wohnung ausschließlich wegen deines Suchauftrags beim Vermieter hereingeholt (§ 2 Abs. 1a WoVermittG).
Zwei weitere Regeln aus demselben Gesetz solltest du kennen. Erstens: Ein Anspruch auf Provision entsteht überhaupt erst, wenn durch die Vermittlung ein Mietvertrag zustande kommt (§ 2 Abs. 1 WoVermittG). Eine Gebühr für die Besichtigung, für die Aufnahme in eine Kartei oder für das Zusenden eines Exposés ist damit unzulässig. Zweitens: Selbst wenn du einen Makler beauftragt hast, darf die Provision höchstens zwei Monatsmieten ohne Nebenkosten plus Umsatzsteuer betragen (§ 3 Abs. 2 WoVermittG).
Vereinbarungen, die davon abweichen, sind unwirksam (§ 2 Abs. 5 WoVermittG). Steht in einem Inserat trotzdem „Provision für den Mieter“ oder verlangt jemand eine „Bearbeitungsgebühr“, frag schriftlich nach, worauf sich das stützt. Meist erledigt sich die Forderung damit. Hast du eine solche Provision schon gezahlt, kannst du sie zurückfordern; dafür ist ein Mieterverein die richtige Anlaufstelle.
Kostenpflichtige Wohnungslisten meiden
Neben den Portalen gibt es Anbieter, die dir gegen eine Gebühr „geprüfte Wohnungen“, „exklusive Listen“ oder „Vermieterkontakte“ versprechen. Das Muster ist immer ähnlich: Du zahlst vorab, bekommst Zugang zu einer Liste und stellst fest, dass die Inserate aus den Portalen zusammengesammelt wurden, oft veraltet und ohne dass der Anbieter je mit dem Vermieter gesprochen hat.
Rechtlich ist die Lage klar: Wer als Wohnungsvermittler auftritt, darf erst dann Geld verlangen, wenn ein Mietvertrag zustande kommt. Eine Vorabgebühr für eine Adressliste ist damit nicht vereinbar. Anbieter umgehen das, indem sie sich als „Informationsdienst“ bezeichnen. Das ändert nichts daran, dass du für Geld bekommst, was auf den Portalen kostenlos steht.
Woran du solche Anbieter erkennst
Bezahlung vor dem ersten Kontakt zum Vermieter, Abo mit automatischer Verlängerung, keine konkrete Adresse im Inserat, Versprechen wie „garantiert ohne Schufa“ oder „Wohnung in 48 Stunden“. Auch wenn ein solches Inserat auf einem der großen Portale steht: Das Portal hat es nicht geprüft.
Deine Suchroutine
Wenn du die Portale kennst, bleibt die Frage, wie du sie im Alltag nutzt, ohne dass die Suche zum zweiten Job wird. Diese Routine hat sich bewährt.
- Ein Suchprofil pro PortalGleiche Kriterien überall: Stadtteile, Zimmerzahl, Höchstmiete warm. Wenn du auf jedem Portal etwas anderes einstellst, vergleichst du am Ende Inserate, die nicht vergleichbar sind.
- Warmmiete als ObergrenzeDie meisten Portale filtern nach Kaltmiete. Rechne deine Grenze vorher um oder setz sie bewusst niedriger an. Wo deine Grenze liegt, klärst du unter Wie viel Miete kann ich mir leisten.
- Drei feste Zeiten am TagMorgens, mittags, abends. Viele private Inserate gehen abends online, viele Verwaltungen veröffentlichen vormittags. Wer nur einmal täglich schaut, ist oft zu spät.
- Sofort antworten, kurz und vollständigWer du bist, wann du einziehen kannst, dass die Unterlagen vorliegen. Nicht mehr. Der Vermieter liest an diesem Abend noch dreißig weitere Nachrichten.
- Alles Verdächtige meldenJedes Portal hat eine Meldefunktion. Sie schützt die Leute, die nach dir kommen, und kostet dich zehn Sekunden.
Und wenn du gerade erst überlegst, ob es überhaupt eine eigene Wohnung sein soll: Der Vergleich WG, Wohnheim oder eigene Wohnung hilft dir, das vor der Suche zu entscheiden. Das spart dir auf allen Portalen Filterarbeit.
Fünf Portale, eine E-Mail
Die Routine oben funktioniert. Sie hat nur einen Haken: Sie kostet jeden Tag Zeit, und genau an dem Tag, an dem du sie nicht hast, erscheint das passende Inserat. Dein Such-Agent nimmt dir diesen Teil ab. Er beobachtet Kleinanzeigen, ImmoScout24, Immowelt, immobilien.de und WG-Gesucht gleichzeitig und schreibt dir eine E-Mail, sobald ein Inserat online geht, das zu deinen Kriterien passt.
Du musst dann nur noch das tun, was kein Portal für dich erledigt: schnell und gut antworten.
Häufige Fragen
- Welches Wohnungsportal ist das beste für Studenten?
- Für WG-Zimmer und Zwischenmieten ist WG-Gesucht die erste Adresse. Für kleine Wohnungen von privaten Vermietern lohnt Kleinanzeigen, für Wohnungen von Hausverwaltungen ImmoScout24 und Immowelt. Weil viele Inserate nur auf einem Portal erscheinen, solltest du nicht auf eines setzen, sondern alle parallel beobachten.
- Kostet die Wohnungssuche auf ImmoScout24 Geld?
- Das Suchen und Anfragen ist kostenlos. ImmoScout24 bietet Suchenden zusätzlich eine kostenpflichtige Mitgliedschaft mit Zusatzfunktionen an. Sie ist keine Voraussetzung, um Wohnungen zu finden oder Anfragen zu schicken.
- Muss ich als Mieter Maklerprovision zahlen?
- In der Regel nicht. Seit dem Bestellerprinzip zahlt die Person, die den Makler beauftragt hat, bei Mietwohnungen also fast immer der Vermieter (§ 2 Abs. 1a WoVermittG). Du zahlst nur, wenn du selbst einen Makler mit der Suche beauftragt hast und er die Wohnung allein deshalb für dich hereinholt.
- Warum finde ich bei Kleinanzeigen so viele Betrugsinserate?
- Weil dort jeder kostenlos und ohne Prüfung inserieren kann. Das macht das Portal für private Vermieter attraktiv, aber auch für Betrüger. Die wichtigste Regel: Nie Geld überweisen, bevor du die Wohnung besichtigt und einen unterschriebenen Mietvertrag hast.
- Lohnt sich ein Portal, das mir gegen Gebühr Wohnungen vermittelt?
- Fast nie. Vermittler dürfen von dir kein Geld verlangen, bevor ein Mietvertrag zustande kommt (§ 2 Abs. 1 WoVermittG). Anbieter, die eine Vorabgebühr für Listen oder Adressen nehmen, verkaufen dir meist nur Inserate, die ohnehin öffentlich auf den Portalen stehen.
Quellen und Gesetzestexte
Dazu passt
- Wohnungssuche aus einer anderen Stadt
Du ziehst zum Semester oder zum ersten Job um und kannst nicht mal eben zur Besichtigung fahren. Wie du aus der Ferne trotzdem zum Zug kommst und wann du am besten anfängst.
- Mietbetrug erkennen
Die günstige Wohnung, die es nicht gibt. Wie die gängigen Maschen ablaufen, woran du sie früh erkennst und welche Regel dich zuverlässig schützt.
- Das Bewerbungsanschreiben
Auf ein Inserat kommen in gefragten Lagen Dutzende Anfragen. Wie ein Anschreiben aussieht, das gelesen wird, und wie dein Such-Agent dir den ersten Entwurf abnimmt.